IZP - Interuniversitäres Zentrum für Psychotherapiewissenschaft
Im Jahre 1991 trat in Österreich das Psychotherapiegesetz (PthG) in Kraft. Durch dieses Gesetz wurde nicht nur die Berufsbezeichnung PsychotherapeutIn geschützt, sondern auch die Berufspflichten der PsychotherapeutInnen und die Rechte der PatientInnen sowie die Psychotherapieausbildung geregelt.

Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des PthG war aus politischen und finanziellen Gründen an ein ordentliches Studium der Psychotherapie nicht zu denken. Mittlerweile wird die Akademisierung der Psychotherapie in Österreich heftig diskutiert.

Das Interuniversitäre Zentrum für Psychotherapiewissenschaft (IZP) ist eine Kooperation derjenigen Einrichtungen, die seit Jahren mit einer universitären Psychotherapieausbildung befasst sind: die Universitätslehrgänge für das psychotherapeutische Propädeutikum. Im IZP sind die Universitätsstandorte Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien vertreten.

Unser Anliegen ist es, die Anbindung der Psychotherapieausbildung an die Universitäten (und damit an universitäre Standards und entsprechende Forschung) zu verbessern und ein Studium der Psychotherapiewissenschaft zu etablieren.

Eine kurze Bestandsaufnahme

Die Psychotherapieausbildung ist in zwei Teile gegliedert, das psychotherapeutische Propädeutikum und das psychotherapeutische Fachspezifikum. Das Psychotherapiegesetz sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, dass nicht nur private Vereine (wie bisher) sondern auch Universitätsinstitute bzw. –kliniken als Anbieter einer psychotherapeutischen Ausbildung in Frage kommen.

Zu den ersten propädeutischen Ausbildungseinrichtungen, die vom Gesundheitsministerium anerkannt wurden, gehörten die Universitäten in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien. An ihnen wurden kostenpflichtige Universitätslehrgänge eingerichtet, die mittlerweile seit mehr als 15 Jahren laufen und sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen können (im Jahr 2005 studierten 36% aller PropädeutikumsteilnehmerInnen in Österreich in einem der Universitätslehrgänge).

Die Universität Innsbruck ist zusätzlich als Ausbildungseinrichtung für das psychotherapeutische Fachspezifikum und zwar in der Methode Psychodrama anerkannt. Seit 2001 wird hier (durchgeführt vom Institut für Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie) ein entsprechender Universitätslehrgang angeboten. Seit 2007 ist auch die Donau-Universität Krems1 als fachspezifische Ausbildungseinrichtung für die Methode Integrative Therapie anerkannt.

Entwicklungsperspektiven

Ausgehend von den langjährigen Erfahrungen und der Zusammenarbeit in den Universitätslehrgängen für das psychotherapeutische Propädeutikum hat sich in den letzten zwei Jahren eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, in der die Universitäten Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien vertreten sind. Anliegen dieser Arbeitsgemeinschaft ist es, die Anbindung der Psychotherapieausbildung an die Universitäten (und damit an universitäre Standards und an entsprechende Forschung) zu verbessern und Modelle für ein „Studium der Psychotherapiewissenschaft“ zu entwickeln. Die derzeitige Anpassung sämtlicher Studien in Österreich an das dreigliedrige Bologna-Modell (Bachelor, Master, Doktorat) ist ein willkommener Anlass, diese Überlegungen zu intensivieren.

Diskutiert werden folgende Möglichkeiten:

  • Individuelles (Bachelor- bzw. Master-) Studium [§ 55 UG2002]
    Dieses Studium würde vor allem Studierenden, die das Propädeutikum absolvieren und kein ordentliches Studium betreiben, die Möglichkeit bieten, einen Studienabschluss zu erwerben und damit eine Verbesserung ihrer Berufschancen zu erreichen.

  • Interuniversitäres Bachelor- und Masterstudium der Psychotherapiewissenschaft [§ 54 Abs. 9]
    Durch die Kooperation der beteiligten Universitäten soll über die jeweiligen Entwicklungspläne hinaus eine neue Studienrichtung eingerichtet werden. Durch Ausnutzung vorhandener Kapazitäten könnte eine kostengünstige bis kostenneutrale Lösung gefunden werden, die Studierenden, die eine Psychotherapieausbildung anstreben, ein Grund(Quellen-)studium ermöglicht, dessen Fächer in einem stärkeren Ausmass einen Bezug zur psychotherapeutischen und beraterischen Praxis und Forschung aufweisen als die klassischen Quellenfächer Psychologie, Pädagogik oder Medizin.

  • Interuniversitäres Doktoratsstudium der Psychotherapie- und Beratungswissenschaften
    Es handelt sich hier um ein Doktoratsstudium auf hohem Niveau (PhD-Studium), dass der Förderung der Psychotherapieforschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses in diesem Fach dient. Die interuniversitäre Kooperation, die internationale Verankerung und die Koppelung mit größeren Forschungsprojekten sollen dazu beitragen, geeignete KandidatInnen in höchstem Maße zu qualifizieren.

1 Die Donau-Universität ist keine Universität im klassischen Sinn. An ihr werden keine ordentlichen Studien (Diplom-, Bachelor-, Master-, Doktoratsstudien) angeboten, sondern auschließlich Angebote zur Weiterbildung.